Rödschen - Beispiel einer Spurensuche in Nordostpreußen

DER KRIEG IST DAS GRÖSSTE UNGLÜCK DER MENSCHHEIT.

 HIER LAG DAS DORF ROEDSZEN, DAS ÜBER 300 JAHRE HEIMAT WAR

 FÜR MENSCHEN AUS DEUTSCHLAND, FRANKREICH, LITAUEN, POLEN,

 OESTERREICH UND DER SCHWEIZ. GEMEINSAM GESTALTETEN SIE EIN

 BLUEHENDES BAUERNLAND, DAS DER KRIEG 1944 VERNICHTETE.

 MÖGEN DIE MENSCHEN IM FREIEN EUROPA KÜNFTIG

 IN FRIEDEN ZUSAMMENLEBEN KÖNNEN.

Diese Aufschrift, in russischer und deutscher Sprache, befindet sich auf einem Gedenkstein bei der früheren Ortslage des Dorfes Röden, ehemals Kirchspiel Großwaltersdorf, Kreis Gumbinnen. Heute gehört dieses Gebiet zu Russland.

 

Der Ortsname dieses kleinen Dorfes veränderte sich mehrfach im Laufe der Geschichte - die Treue und das Andenken der Einwohner und deren Nach- kommen an Röden und den untergegangenen landwirtschaftlichen Besitz blieben erhalten.

 

Um 1590 trug das Dorf die Bezeichnung Klein Pilkalnen, änderte sich später über Rondszen, Rendszen, Roidßen, Rödßen, Rödszen in Rödschen. Die letzte Umbenennung erfolgte am 16.07.1938 in Röden. Inzwischen ist das Dorf von der Landkarte verschwunden. Die frühere Ortslage des Dorfes und Friedhofs liegen jetzt unzugänglich auf dem wegelosen etwa 50.000 ha großen eingezäunten Weidegebiet einer Rinderfarm.

Angusrinder in dem ca. 50.000 ha großen Areal
Angusrinder in dem ca. 50.000 ha großen Areal

Trotzdem schafften es ehemalige Bewohner und deren Nachkommen einen Zutritt in dieses gesperrte Gebiet zuerhalten. Am 2. August 1998 wurde nach mühsamer Vorarbeit ein Findling mit der oben zitierten Aufschrift als Gedenkstein an der Stelle des früheren Friedhofes aufgestellt.

Einer unserer Reisenden, dessen Vorfahren auch über Generationen zu den früheren Bewohnern dieses Dorfes gehörten, hatte bei uns zu den Möglichkeiten eines Besuches angefragt. Nach Kontaktaufnahme und Verhandlung mit der Verwaltung der Rinderfarm konnten wir dem Reisenden im Jahr 2016 diesen Wunsch erfüllen und durften mit ihm nach entsprechender Voranmeldung in das Gelände zu einigen Tausend dort weidenden Angusrindern fahren. Der russische "Begleitschutz" mit einem geländegängigen Fahrzeug wurde dabei allerdings vor Probleme gestellt. Die jungen Männer hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas von einem Gedenkstein und schon gar nicht von dem gesuchten früheren Dorf gehört. Geduld, alte Messtischblätter und eine abenteuerliche Fahrt führten trotzdem zum Ziel. Die Aufschrift des Gedenksteins war damals noch einigermaßen lesbar.

Reise nach Ostpreussen
Der Gedenkstein im Jahr 2016

Inzwischen haben sich die Kontakte zur Rinderfarm vertieft und es hat sich Vertrauen zwischen unserem Teammitglied Ivan aus Insterburg und der russischen Geschäftsleitung der landwirtschaftlichen Gesellschaft gebildet.

 

So durfte vor wenigen Tagen (2. Monatshälfte Oktober 2018) der oben erwähnte Reisende nochmals, jetzt ohne "Begleitschutz", mit Ivan alleine in das Gelände fahren. Anruf genügte…, ein geländegängiges Fahrzeug sollte man aber schon bevorzugen.

 

Allerdings wurde festgestellt, dass die Aufschrift des Steines aktuell kaum noch lesbar ist. Unser Reisender hat sich daher spontan zu einer erneuten Reise im Jahr 2019 angemeldet und er wird sich dann ein Eimerchen mit geeigneter Spezialfarbe mitnehmen. Vielleicht möchten sich ja auch andere Nachkommen an dieser Sanierung beteiligen. Wir werden auf jeden Fall diese Aktion unterstützen und auch für den problemlosen Zugang sorgen. Der bewundernswerte Aufwand, der schon 1998 betrieben wurde, muss belohnt und das Ergebnis soll erhalten bleiben.

Reise nach Ostpreussen
Der Gedenkstein am 19.10.2018

Auf dem ehemaligen Friedhof ist dieser Grabstein von Gottlieb Heldt noch erhalten

Reise nach Ostpreussen