Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten

(Dieser Satz wird August Bebel zugeschrieben)

Ostpreußen, ein kurzer Blick in die Geschichte

Heute gehört das Gebiet der früheren Provinz Ostpreußen zu den Staatsgebieten von Polen, Russland und Litauen.

 

In der Vergangenheit hatten wir zum größten Teil Reisegäste aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz, Österreich, Frankreich, Holland, Kanada, den USA, Südamerika, Italien, Dänemark und einigen anderen Ländern. Weltweit verteilt leben heute Menschen, deren Vorfahren aus Ostpreußen stammen. Damit viele Menschen die Informationen lesen können, wurde diese Webseite in verschiedenen Sprachen erstellt.

  

Bevor der Deutsche Orden zum Ende des 13. Jahrhunderts das Gebiet zwischen den Flüssen Weichsel und Memel eroberte, lebten dort überwiegend die Pruzzen als Ureinwohner. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte vermengten sich diese mit Zuwanderern aus den damaligen deutschen Ländern sowie Frankreich, Holland, Litauen, Polen, Russland und der Schweiz.

 

Nachdem die "Große Pest", eine Epidemie mit dem Schwerpunkt im Ostseeraum (ca. 1708–1714), zahlreiche Todesopfer gefordert hatte, waren teilweise ganze Ortschaften ohne Einwohner. In Königsberg starben von 1708 bis 1710 zwischen 9.000 und 10.000 der 40.000 Einwohner. Von den 50.000 Einwohnern in Danzig starben allein von Juli bis Dezember 1708 über 23.000.

 

Im Jahr 1731 begann im katholischen Erzbistum Salzburg die Ausweisung der evangelischen Protestanten. Daraufhin erließ Preußen 1732 ein Einladungspatent, mit dem Glaubensflüchtlinge in den entvölkerten Landstrichen in Ostpreußen angesiedelt werden sollten (Rétablissement). Die meisten dieser Salzburger siedelten im Raum Gumbinnen.

 

Was aber gesagt werden muss: Anders als oftmals erwähnt, spielten die Salzburger bei der Besiedlung Ostpreußens nur eine untergeordnete Rolle. Der überwiegende Teil der Anwesen und Bauernstellen war bereits in den Jahren ab 1720 an eine Vielzahl von Siedlern, z.B. aus der Pfalz und Nassau sowie rund 2.000 Schweizer, vergeben worden. Daher konnten die Salzburger nicht wie ursprünglich geplant, geschlossen angesiedelt werden.

 

Diese zugezogenen Menschen gehörten unterschiedlichen Religionen an. Es kamen evangelische, katholische und orthodoxe Christen. Auch Juden, Mennoniten (oftmals Franzosen und Schweizer) sowie Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften.

  

Die Bevölkerungsentwicklung in Ostpreußen wurde von 1700 bis 1945 im Wesentlichen durch folgende Ereignisse beeinflusst: 

 

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Ostpreußen, ca. 240.000 Menschen, sterben während der Pestepidemie. 1709 hatte Ostpreußen noch rund 660.000 Einwohner. 

 

Die Wiederbesiedlung führte unter dem Soldatenkönig zwischen 1710 und 1740 zur Ansiedlung von etwa 68.800 Neusiedlern in Ostpreußen. Unter Friedrich dem Großen wurden von 1740 bis 1786 weitere 16.000 Kolonisten angesiedelt. 

 

Während des Siebenjährigen Kriegs (1756–1763) eroberten 1757 russische Truppen Ostpreußen, zogen sich aber bald zurück. Insgesamt starben während der 7 Kriegsjahre schätzungsweise 90.000 Ostpreußen. 

 

Die Zahl der zivilen und militärischen Toten während der Napoleonischen Kriege (1792–1815) wird in Ostpreußen auf über 200.000 geschätzt. 

 

Nach der Bauernbefreiung wuchs die Bevölkerung zwischen 1815 und 1867 von 860.000 auf ca. 1,70 Mio. Einwohner. 

 

Von 1871 bis 1933 wanderten ca. 920.000 Ostpreußen, da sie keine Arbeit fanden, aus. Ein Großteil fand Beschäftigung im Ruhrgebiet, andere reisten nach Kanada, Nord- und Südamerika.

  

Von 1914 bis 1945 wuchs zwar die Einwohnerzahl leicht von 2,1 Mio. auf 2,39 Mio., die Toten beider Kriege werden aber zusammen auf 700.000 geschätzt.